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Die Läufer von morgen

Hier ist der Läufernachwuchs beim Aufwärmen zu beobachten

Der Gatte und ich, wir denken ja ständig an die Zukunft. Am gestrigen Sonntag vor allem an die des #teamschnipsflausch. Bereits jetzt ziehen wir darum ein eigenes, kleines Nachwuchslaufteam heran. Während die beiden Jüngeren  dieses Jahr zum ersten Mal an einem Lauf teilnahmen, ist die Große schon recht erfahren. Wir ließen sie für ihren 3,1 km-Lauf mit ihrem Schulteam zurück und bejubelten die Kleinen beim „Bambini-Lauf“. Der geht über 1,2 km. Für einen Fünfjährigen eine ganz schöne Strecke.

Der Bambini-Lauf sowie der Henkel-Team-Lauf (das ist der mit den 3,1 km) sind im Grunde Teil des Heidelberger Halbmarathons, den auch in diesem Jahr die SAS ausgerichtet hat. Zunächst starten die Halbmarathonis in drei Blöcken. Dann laufen die ganz Kleinen, dann schließt der Teamlauf an. Normalerweise kommen die Halbmarathonläufer und -läuferinnen, die unter anderem den wunderschönen, aber mindestens ebenso anstrengenden Philosophenweg hochlaufen, mit einem kleinen Abstand nach den letzten Teamlaufteilnehmenden ins Ziel. In diesem Jahr sah es allerdings so aus, als würde der bisherige Streckenrekord für den Halbmarathon unterboten. Und als käme der Läufer, der lange auf Rekordkurs war, sogar noch vor den letzten Teamläufern ins Ziel am Universitätsplatz.

Am Ende hat es dafür nicht ganz gereicht. Heidelberg hat keinen neuen Streckenrekord. Dennoch haben sich die Heidelberger selten so sehr für einen Sieger gefreut. Denn der schnellste Läufer in diesem Jahr mit einer für mich persönlich unglaublichen Zeit von 1:15:30 h heißt Kibrom Isaac. Er kommt aus Eritrea, wo seine Frau und sein dreijähriger Sohn bis heute leben. Seine Flucht aus der Militärdiktatur führte ihn monatelang durch Eritrea und den Sudan – zu Fuß –, dann mit dem Auto durch die Sahara, und nach langer Wartezeit über das Mittelmeer und Italien nach Deutschland. Eine Reise, die er überlebt hat. Viele andere nicht.

Seit Mai lebt er in Schwetzingen. Und seitdem trainiert er. Bis er eine feste Aufenthaltsgenehmigung erhält und seine Familie nachholen darf, wird vermutlich noch eine gewisse Zeit vergehen. Bis dahin läuft er, jeden Tag.

Gestern lief er, vorbei an jubelnden Zuschauern, unter den letzten Sonnenstrahlen des Vormittags ins Ziel, begleitet von „Welcome, Welcome!“-Rufen des Moderators. Im Hintergrund spielten sie „Happy“, ein Lied, das nur so mittelbar zu der Situation des Eritreers passen wollte. Da ich aber immer die Videoversion von „Happy“, die Valentin und sein Team für Heidelberg umgesetzt haben, vor mir sehe, passte es dann doch in das Gesamtbild.

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(Fast zu schnell für die Kamera: Kibrom Isaac beim Zieleinlauf)

Dem Mannheimer Morgen hat Kibrom Isaac vor wenigen Monaten ein Interview gegeben. Darin sagte er, sein Traum sei es, Profiläufer zu werden. So wie dieser Mann rennt, ist das ein absolut realistisches Ziel. Zumindest hier, in Deutschland. Zu wünschen ist ihm darüber hinaus, dass er irgendwann nicht mehr vor schlechten Gedanken und Erinnerungen weglaufen muss, und dass er und seine Familie schon bald hier ein Zuhause finden.

Mag sein, dass ich sentimentales Stück das Laufen an sich seit dem #teamschnipsflausch mit der Hoffnung verbinde. Mag sein, dass Euch diese Geschichte gar nicht so berührt wie mich. Aber ich dachte: Sei’s drum. Kibrom Isaac ist aus Eritrea weggelaufen, und monatelang immer wieder um sein Leben gerannt. Nun rennt er hier, mit dem festen Wunsch, Profi zu werden und seine Familie nachholen zu können. Wieviel Hoffnung in jedem dieser Läufe stecken muss.

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