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Runde(n) Sache!

Und plötzlich war es so weit! Der 10. Juli war angebrochen – ein ganz wunderbarer, sonniger und angenehm warmer Freitag im Übrigen – und ich sollte heute Runden laufen für die Krebsforschung.

Ich hatte mich angemeldet, mich versprochen, war über meinen wenig Jogging-begeisterten Schatten gesprungen, um beim Heidelberger NCT-Lauf mitzumachen. Ich konnte in keinster Weise wissen, ob ich auch nur eine einzige Runde zustande bringen würde, schließlich war schon während meiner körperlichen Blütezeit in der Schule der 1.000-Meter-Lauf immer mein Angstgegner gewesen. Und das ist über 30 Jahre her. Doch sei’s drum: ich wollte es wissen. Ich wollte meine eigenen Möglichkeiten und Grenzen gerne einmal kennenlernen und wenn es des Ansporns einer guten Sache benötigte – auch recht!

Schon letztes Jahr hatte ich an einem sonnigen Nachmittag aus der Ferne – und im Herzen irgendwie doch so nahe – über Twitter das Geschehen beim ersten NCT-Lauf des Teams Schnipsflausch miterleben dürfen. Ich erinnere mich, ein wenig traurig darüber gewesen zu sein, nicht ebenfalls mit von der Partie sein zu können. Auch daran, dass ich mich freuen würde, all die Menschen, die mir über Twitter lieb und teuer geworden waren, endlich einmal in persona zu erleben! Außerdem kenne ich aus eigener nächster Umgebung die plötzliche Konfrontation mit der Diagnose Krebs und den Leidensweg, der diesen oft nüchternen Worten folgt sehr gut. So konnte ich nur zu gut nachempfinden, wie es Heike Schmidt während des vorletzten Jahres erging. Daher war nun der Ansporn groß, einen Anteil, wie gering auch immer, dabei zu leisten, dass diese tückische Krankheit immer besser verstanden und behandelt werden kann.

Ein sehr großer Anreiz für meine Teilnahme war aber auch – und das möchte ich nicht verschweigen – meine Neugier auf die Menschen, die sich im #teamschnipsflausch zusammen getan hatten, um für Heike und die Forschung zu laufen! Ein nicht unerheblicher Teil von ihnen war mir über Twitter nämlich schon lange »bekannt«. Und auf genau diese Anführungszeichen will ich hinaus: Bisher kannte ich die meisten dieser Menschen allein als eine Art »Gedankenwesen«, als Quintessenz ihrer Äußerungen und Ideen, ihres Humors oder ihres Wissens in der Social Media Blase. Ich folge ihnen auf Twitter etc. aufgrund ihrer klugen, witzigen, nachdenklichen Postings, die mich selber oft zum Nachdenken anregten und meine Sicht auf die Welt und die Menschen nicht unerheblich erweitert haben!

Ich freute mich auf diesen Freitag und hatte ziemlichen Bammel vor ihm.

Da ich mir sowieso Urlaub genommen hatte, konnte ich zeitig in Richtung Heidelberg aufbrechen. Leider ohne die Tochter, die bestimmt auch gerne mitgelaufen wäre, vom Nachmittagsunterricht jedoch davon abgehalten wurde. Ich kam am späteren Nachmittag bei strahlendstem Sonnenschein an und konnte nicht umhin, erst einmal einen Blick auf den Neckar und das pittoreske Heidelberg zu werfen.

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Doch dann ging es auch gleich weiter ins Universitätsviertel. Parkplatz gesucht, mit komischem Gefühl im Bauch in Richtung der Zelte gestapft, die unübersehbar das Start-Ziel-Dorf des heutigen Abends darstellten. Noch war es relativ ruhig, überschaubar. Ich ließ meinen Blick schweifen, um einen Hinweis auf das Zelt des #teamschnipsflausch zu finden. Das dauerte nicht lange und zu meinem besonderen Vergnügen war es gerade Julia Schönborn aka @junaimnetz, die schon jetzt mitten in den Vorbereitungen für die Teammitglieder steckte und mir vermittels willkommenstigster Umarmung jegliche Berührungsscheu gegenüber all den fremden Menschen mit einem Schlag nahm. 🙂

Schon bald waren auch Jana Stahl (@WortRatgeberin) und Maike (@schaefchenwolk2) mitsamt ihrer Kinder in den knapp bemessenen Schatten der Partyzelte gefolgt, wurde ich unvermittelt von einer Journalistin des Regionalsenders interviewt und tummelten sich immer mehr Menschen zwischen den Teamtischen und der Musikerbühne. Ich knabberte zwei meiner mitgebrachten Brezeln und nahm dankbar diese geschäftige, sonnige Atmosphäre auf. Endlich kam auch Valentin Bachem @HDValentin , der so großen Anteil an der Organisation hatte, diese Seite ins Leben rief und sich um die Team-T-Shirts gekümmert hat mit eben jenen Trikots.

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Es ging auf 17 Uhr zu und plötzlich »Schlag auf Schlag«: Richard Zinken @zinken und Stephanie Hanel @wegholz mitsamt Tochter und dem Frollein Hund kamen an und wurden von allen Seiten begrüßt, bald auch die einzige Twitterin, die ich bereits kannte, @ne_ratte mit ihrer fröhlichen Tochter, und natürlich die junge Dame, die den Weg in so viele Herzen »fremder« Menschen gefunden hatte: Heike Schmidt alias @heikeschmidt und gut bekannt als »Fräulein Schnips«. Plötzlich war meine Aufmerksamkeit auf so viele Pole gleichzeitig gelenkt, dass mir diese Minuten im Nachhinein wie in Zeitlupe vergangen zu sein scheinen. Umarmungen, kurze Begrüßungen, lächelnde Augen, Erkennen… All dies in kürzester Abfolge mit einer inzwischen großen Gruppe von Menschen. Dazwischen die Reporter, Foto- und Fernsehkameras, Mikrofone, Anweisungen. Das #teamschnipsflausch hatte offenbar schon im Vorfeld Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Immerhin war es nach dem Team des Hauptsponsors auch das mit Abstand zweitgrößte…

Und dann war da noch Heike! Ich muss ein bisschen aufpassen, wie ich mich formuliere, doch wusste ich nun aus eigener unmittelbarer Erfahrung, wie es dazu kam, dass so viele einander teilweise wildfremde Menschen hier und jetzt gemeinsame Sache machten: für eine Idee, für eine Hoffnung und eben für sie! Nach ihrer Operation und all diesen Monaten der Chemotherapie und eines sich während genau dieser Zeit in ihr entwickelnden Menschleins strahlte Heike eine Lebensfreude und Zuversicht aus, die nachgerade ansteckend wirkt! Ich will jetzt nicht lobhudeln, aber Du bist schon eine Tolle! <3
An Dir richten sich womöglich viele Menschen auf, denen es auch mal mies gehen mag. Sie sehen an Dir, dass an dem Spruch »Es wird schon gut werden« durchaus nicht nur Trösterei klebt, sondern eine immer mögliche Wahrheit.

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Eine besondere Freude war mir noch – es war schon fast 18 Uhr – jetzt auch endlich Heikes Bruder @fraichedax begrüßen zu dürfen! Er gehört auch zu den Menschen, mit denen ich mich einzig aufgrund des Gedankenaustausch sehr verbunden fühle…

So langsam aber sicher näherten wir uns dem Zeitpunkt des Startes und mir wurde wieder ein bisschen mulmig. Der Regionalsender hatte seine Interviews geführt und das Team ausgiebig gefilmt und fotografiert, einige der anderen Teams und Läufer waren bereits auf die 2,5 Kilometer lange Strecke gestartet. Wir »mussten« als Letzte auf die Strecke, um noch abschließend, der Kamera winkend, gemeinsam loszulaufen… (meine Rückansicht im Film ist mir dann eher, naja…)

So lief ich los, locker und motiviert zunächst, bis mir ungefähr 300 Meter später die Sache schon mal unangenehm zu werden begann. Also erst mal ein bisschen langsamer traben, also schnell gehen, also flott halt. So, probieren wir’s noch mal… Trab, Schnaufen, Tapsen, leichter Trab, Flottgeh… Kurz gesagt: ich fand eine für mich angemessene flotte Gangart, bei der ich nicht ständig genötigt war, andere Mitläufer zu überholen und gab mich ganz der Strecke hin. Das Unigelände stellte sich als gar nicht unangenehmes Pflaster dar, neben den Betonburgen gaben durchaus auch viele große Bäume ausreichend Schatten und schon bald kam man wieder auf offenes Gelände, wo ein aufgespannter Wasservorhang den Läufern eine mehr oder weniger willkommene Abkühlung verschaffte. Kurz danach war schon der Start-Ziel-Durchlauf erreicht und die erste Runde lag hinter mir.

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So ging es weiter… Am Beginn der neuen Runde waren Tische mit Wasserbechern aufgestellt, die Helfer kamen anfangs kaum mit Nachfüllen hinterher. Es waren immerhin gut 1.500 2.100 Läufer am Start, die zu diesem Zeitpunkt natürlich noch in voller Zahl auf die neue Runde gingen. Ich stapfte so vor mich hin und schaute mich interessiert um, wer da so alles die Strecke und die Motivation mit mir teilten: viele junge Menschen, locker trabend und auch einige ältere Herrschaften (zu meinem Erschrecken ebenfalls locker trabend) rangen da dem Sponsor Runde für Runde Zweieurofünzig ab, liefen konzentriert oder auch miteinander scherzend für die gute Sache. Immer wieder traf ich auch die unverkennbar roten Mitglieder unseres Teams und man begleitete sich für ein Stück des Weges. Letztlich musste ich aber mein ganz eigenes Tempo gehen und konnte mich abwechselnd meinen schweifenden Gedanken hingeben und dann der auch mal ganz angenehmen Leere meines Kopfes zwischen Atmen und Laufen, Fuß vor Fuß, Wasservorhang nach Wasservorhang.

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In dieser angenehmen Monotonie des Laufens verging die Zeit wie im Fluge und ich musste plötzlich feststellen, dass ich nun gar keine weitere Runde würde absolvieren können, da der Lauf ja um 21 Uhr beendet sein sollte. Auch wenn meine Füße durchaus Gefallen an einem Ende ihres Einsatzes zu äußern wagten, meine Achillessehnen sich fast von Beginn an gereizt gezeigt hatten, befand ich mich noch in diesem Modus des »immer-weiter-so«. Mit äußerstem Wohlwollen reagierten meine Beine und Füße dann doch, als ich nach dem letzten Zieldurchlauf einfach rechts abbog und dies gerade rechtzeitig, um mich noch von Richard Zinken verabschieden zu können, der schon früher los musste.

Dieser laue Sommerabend wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben! Der Lauf war vorbei, die Sonne untergegangen. Musik schrie von der kleinen Bühne und die Schlangen an den Essensständen waren länger als mancher Geduldsfaden. So viele Menschen genossen miteinander diesen Abend, das Geleistete, die Gespräche und manche vielleicht auch die Musik! Der ausdauerndste Kern unseres #teamschnipsflausch s allerdings hatte sich ein wenig hinter die Teamzelte auf ein Stück Wiese zurückgezogen, wo man sich einfach besser unterhalten konnte. Diese Stunden waren für mich der persönliche Höhepunkt dieses wunderschönen Tages: endlich konnte ich mich noch in Ruhe mit den Menschen unterhalten, die ich heute teilweise zum ersten Mal persönlich getroffen hatte. Ich stellte mit größter innerer Genugtuung fest, dass hinter all den 140-zeichigen Gedankenblitzen ausnahmslos genau die tollen Menschen lebten, die ich mir ausgemalt hatte! Ich freue mich wirklich, Euch gefunden zu haben!

Einziger Wermutstropfen dieses Happenings: meine Begeisterung über meine eigene Begeisterungsfähigkeit, so schön Runden absolvieren zu können wie ich es nicht von mir erwartet hatte, führte leider dazu, dass ich nicht mehr so viele Gespräche haben führen können wie ich es mir gewünscht hätte! 🙁 Denn insgesamt kann ich resümieren: das Schönste an diesem Spendenlauf für die Krebsforschung waren für mich die Menschen, die ich kennenlernen durfte!

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