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Mitten im Leben

Heike Schmidt

Das #Teamschnipsflausch wurde ins Leben gerufen von einer Gruppe Menschen, die sich kaum bis gar nicht kannten. Menschen, die nur eines verband: Sie waren mit Heike Schmidt verbunden und wollten etwas Sinnvolles tun, als diese an Brustkrebs erkrankte. Das #Teamschnipsflausch geht in die zweite Runde – ein guter Moment, ein wenig über und mit Heike zu reden.

Einfach nur gefreut habe ich mich damals, als mir Heike die Nachricht mitteilte. Es war ja schon etwas Besonderes, etwas, das ein Leben völlig umkrempeln kann und Werte verschiebt. Wahres Leben halt: Heike war schwanger.

Die nächste Nachricht von ihr war dann der Schock, für den mir auch heute noch die passenden Worte fehlen, verschiebt es doch Werte und krempelt ein Leben völlig um – wenn nicht Schlimmeres. Die Diagnose: Brustkrebs.
Ich tat, statt nach den passenden Worten zu suchen, erst mal das, was man heute halt so tut: Nach „Schwangerschaft und Krebstherapie“ googeln, Hoffnungsschimmer suchen. Hoffnung gibt es, wie so oft. Aber klar war, dass Heike ein langer, schwerer Weg bevorstand …

Seitdem ist einige Zeit vergangen und viel des Weges gegangen. Der zweite NCT-Lauf steht an und es gibt wieder ein Teamschnipsflausch. Ein guter Anlass, Heike ein paar Fragen zu stellen.

Eine Abtreibung war für Dich von vorneherein ausgeschlossen, Heike, oder?

Das kann man so nicht sagen. Wenn es keine andere Möglichkeit gegeben hätte, wer weiß schon, wie ich dann reagiert hätte? Aber es wäre der absolute Supergau gewesen und vermutlich mehr, als ich hätte tragen können. Ich hatte bereits eine Verbindung zu dem kleinen Wesen in meinem Bauch. Wir haben uns das Baby sehr gewünscht.“

Das Wichtigste in dieser Situation: Die richtigen Menschen um sich haben, die richtigen Ärzte finden. Sich fokussieren. Was aber macht man mit all jenen Menschen, die man vorher, mitten im Leben, mitten im normalen Leben, an diesem Leben hat teilnehmen lassen? Dem sozialen Netz, das – nur weil es Social Media, Twitter, Facebook heißt – nicht weniger sozial sein muss, als die Nachbarschaft. Sozialer womöglich?

Du hast Dich dafür entschieden, offen mit dem Krebs umzugehen, die anderen teilhaben zu lassen an Deinem Kampf, Dich nicht auf den engsten Kreis zurückzuziehen. Hast Du es jemals bereut?

„Es war für mich die einzige mögliche Art, damit umzugehen. Aber, ja, es gab Momente, in denen mir das teil-öffentliche Interesse zu viel war. Was ich dann auch so formuliert habe (z.B. in meinem Blog). Das ist ja das Tolle daran, wenn man kommuniziert: man kann auch kommunizieren, wenn die Kommunikation gerade nicht passt. Voll Meta und so.

Porträts von Heike

Ansichten eines langen Weges

Die meiste Zeit aber war meine digitale Umwelt ein sehr wichtiger Rettungsanker für mich. Ich durfte im letzten Sommer praktisch nicht raus, weil ich das Sonnenlicht während der Therapie nicht vertragen habe und hatte aufgrund der Immuninsuffizienz Anweisung, Menschenmengen und Indoor-Veranstaltungen zu meiden. Meine reale Welt ist also sehr geschrumpft, aber durch die Anteilnahme, die sich im Netz, aber auch auf ganz analogen Wegen abspielte, wurde das mehr als aufgewogen. Ich hatte zum Teil sogar das Gefühl, getragen zu werden. Dieses schöne, warme Gefühl erfüllt mich immer noch mit Dankbarkeit.“

Eine Anekdote am Rande, quasi ein „Wie alles begann“-Einschub: Kennengelernt haben sich Heike und manche deren, die später das #Teamschnipsflausch bilden sollten, als sie im Oktober 2012 auf unkonventionelle Art über die Social Media-Aktivitäten von Spektrum der Wissenschaft berichtete:
„Würden wir ohne Social Media nicht irgendwann von der Bildfläche verschwinden?“

Schon damals spürte man, wie real die vermeintlich virtuellen Netz sind. Und doch ist es gewiss kein Weg, der für jeden der richtige ist: Seinen kahlen Kopf mit Würde, Wut und Kampfeslust zu zeigen. Nichts schönzureden, öffentlich zu Zweifeln und zu Hoffen. Wer aber in einer solchen Situation ist und diesen Weg gehen mag, den wird Heikes Erfahrung vielleicht bestärken und Mut machen. Auf jeden Fall aber erlaubte ihr offener Umgang, ihr Teilhaben lassen,  den Menschen, die sich zunächst nur hilflos fühlten, Aktionen wie #Teamschnipsflausch ins Leben zu rufen.

Weißt Du noch, was Dir durch den Kopf ging, als Du erfahren hast, dass Deine Freunde als Team für Dich beim NCT-Lauf starten wollen?

Ich war total geplättet. Es war ein wunderschönes, positives Zeichen, ein intensives, vorwärtsgewandtes an mich Denken, das mich im schönsten und besten Sinne fassungslos gemacht hat. So eine Krankheit macht ein bisschen einsam, weil man viele Erfahrungen ganz alleine machen muss (auch wenn mein Mann immer an meiner Seite war). Aber beim NCT-Lauf habt ihr mir gezeigt, dass ich nicht wirklich allein bin, dass ihr da seid und mich nicht vergesst. Und wenn ich jetzt daran denke muss ich schon fast wieder heulen. Vor Glück.“

Ein Jahr später. Das #Teamschnipsflausch läuft nicht mehr nur für Heike, sondern MIT Heike.

„Dieses Jahr wirst Du mit Deiner Tochter am NCT-Lauf selbst teilnehmen können. Dürfen die Menschen, die in der Krebsforschung arbeiten, zusammen mit Dir stolz darauf sein?“

Die Menschen in der Krebsforschung machen einen guten Job. Noch vor 20 Jahren wäre es vermutlich nicht möglich gewesen, Krebs in der Schwangerschaft zu behandeln, vor zehn Jahren zumindest nicht so gut wie heute. Dass meine Tochter bei uns ist, verdanken wir der Krebsforschung. 
Für meine eigene Gesundheit mag ich noch nicht in Jubelgeschrei ausbrechen, weil ich noch nicht geheilt bin. Aber immerhin verdanke ich der Krebstherapie eine weitaus schonendere Therapie, als das noch vor mehreren Jahren der Fall war. 
Und mein Mann dankt der Krebsforschung für meine Brüste 🙂

Der Kampf gegen den Krebs ist nicht ausgestanden. Nicht für Heike, nicht für die Forschung. Also heißt es für alle: Weiterlaufen!

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