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Leidenschaftlich langsam laufen

Zielgerade beim Stuttgarter Bücherlauf

Es muss beim Bücherlauf 2010 in Stuttgart gewesen sein, als ich mir zum ersten Mal vorgenommen hatte, läuferisch etwas aktiv zu werden. Und dabei traf ich auf Heike. An die lange, 10-Kilometer-Runde durch den Feuerbacher Wald war überhaupt noch nicht zu denken ‒ die schaffte ich allerdings ein Jahr später! Ich hatte gerade mal angefangen, ein bisschen schneller zu spazieren, und war schon über die 2-km-Bücherlauf-Runde glücklich. Auch hier kam übrigens das Kilometergeld der Deutschen Kinderkrebshilfe zugute.

Heike stand am Ziel, schien sich zu freuen, dass ich dort angekommen war und spornte mich noch zu einer weiteren Runde an. An diesem Septembersonntag beließ ich es bei dieser einen Runde. Aber hey, ich habe das Laufen nicht aufgegeben, und jetzt steht erneut der NCT-Lauf bevor. Letztes Jahr lief das #teamschnipsflausch für Heike, in diesem Jahr mit ihr!

Seit meinem Lauf-Debüt im Feuerbacher Wald konnte ich ein paar Medaillen und Startnummern sammeln, aber einfach war das nie. Sagen wir es so: Ich trage ein bisschen Kampfgewicht mit mir herum und bin langsam. Ja, mit letzterem kokettieren die meisten durchaus gut trainierten Hobbyläufer. Aber meine Pace (Minuten, die ich für einen Kilometer brauche) liegt derzeit bei etwas über 10.

So lange ich mit mir alleine unterwegs bin und sich beim Vorankommen dann doch immer wieder die Glückshormone einstellen, ist das für mich kein Problem. Problematisch wird es erst, wenn ich beim Laufen auf Mitmenschen treffe, möglicherweise sogar auf andere Läuferinnen und Läufer. Ein verkniffenes oder schiefes Grinsen, das dem Gegenüber bei meinem Anblick ins Gesicht tritt, ist noch das harmloseste. Für alle verbalen Witzeleien und Frotzeleien habe ich mir beizeiten angewöhnt, mit Musik auf den Ohren zu laufen.

Öffentliche Läufe stellen mich parallel zur körperlichen Herausforderung noch vor eine mentale: Die Startsituation ist für alle aufregend, das Herz schlägt von vornherein schneller, dabei möchte man es doch so ruhig wie möglich halten. Wenn alle los stürmen, ist das mitreißend, aber ich muss mich zügeln, denn zu schnell zu starten, um dann nach kurzer Zeit nicht mehr weiterzukönnen, ist mein größtes Risiko beim Start.

Und dann die Enttäuschung, wenn selbst die an Dir vorbeiziehen, die eben noch behauptet haben, sie wären die langsamsten Schnecken. Damit während eines Laufes klarzukommen, braucht noch mal ein ganz eigenes Training. Beim oben genannten Bücherlauf in Stuttgart sah ich auf der 10-Kilometer-Strecke nicht nur niemanden mehr vor, sondern hatte ab der Hälfte der Strecke überflüssigerweise auch noch den Kranken- bzw. Besenwagen im Rücken.

Aber ich will es nicht verschweigen: Ehrgeiz entwickelt man natürlich auch in meiner Geschwindigkeitsklasse. Ich freue mich sehr über kleine Fortschritte und Bestzeiten in meinem Bereich, oder wenn ich es schaffe, einen Spaziergänger einzuholen.

Der NCT-Rundkurs im Neuenheimer Feld ist für meine Bedürfnisse angenehm. Klar, auch hier gibt es genug Läufer, die vom Start weg gleich viel schneller sind als ich, und dazu noch etliche, die an mir vorbeiziehen werden. Die schnellsten werden wohl keine 15 Minuten brauchen, um mich dann auch noch zu überrunden. Aber zu diesem Zeitpunkt ist es auch schon egal. Dann freue ich mich, dass man auf der Strecke nie einsam ist, und vielleicht gibt es sogar wieder eine Stelle, wo sich die Laufenden, egal in welcher Runde sie sich gerade befinden, frontal begegnen. Im letzten Jahr gab es dort immer wieder ein großes Hallo. Bei so einem großen Team wie dem #teamschnipsflausch sollte es dort immer wieder schöne Begegnungen geben. Ich freue mich auf den NCT-Lauf. Macht mit, auch wenn Ihr bisher dachtet, dass so ein Lauf nichts für Euch wäre! Es geht hier nur um eins: den Kampf gegen den Krebs.

(Bild: Zielgerade beim Stuttgarter Bücherlauf/Angelika Rausch)

3 Kommentare

  1. Jochen aka @anmasijo

    Hey Jana!

    Nicht nur, dass Du mir zu 125 Prozent aus der Seele sprichst, was Laufen »in der Öffentlichkeit« anbelangt. nein, Du spornst mich auch noch an mit einem Bild aus meinem ureigensten Refugium! Genau in diesem unseren schönen Mischwald bin ich seit Jahrzehnten unterwegs – früher mit Kinderwagen, später mit trödelnden, selbstlaufenden und immerzu entdeckenden Kindern, im Verlaufe diverser Geburtstags-Schatzsuchen und ganz allgemein auf unseren abendlichen Runden.

    Ich freue mich auf und fürchte mich gleichzeitig vor dieser Veranstaltung. Aber genau dieses gewisse Unbehagen vor dem Unbekannten, vor einer Tätigkeit, die nicht eben meinem Naturell entspricht gibt mir eine wohl tuende Gewissheit: Ich setze mich gegen meine eigene Bequemlichkeit für etwas – und nicht zuletzt für Jemanden – ein, das und die mir wichtig ist. Gerade weil es mir nicht angenehm ist, meine Pfunde über eine Laufstrecke zu wuchten, bei der mir auch noch eine gewisse Aufmerksamkeit anderer Menschen zuteil wird, mache ich das gerne. Was mir halt möglich ist. Ich freue mich auf jeden Fall immer ein klein wenig mehr als dass ich Bedenken habe…

    Tschakka!

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